Die Pflege von Angehörigen ist eine herausfordernde Aufgabe. Mit einem Pflegegrad erhalten Sie Unterstützung und Entlastung. Erfahren Sie hier, wie Sie einen Pflegegrad beantragen und welche Leistungen Ihnen zustehen.


Was ist ein Pflegegrad?

Ein Pflegegrad ist die Voraussetzung, um Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten. Über den Pflegegrad wird die Ausprägung der Pflegebedürftigkeit festgestellt. Diese definiert das Bundesministerium für Gesundheit wie folgt:


„Pflegebedürftig sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate – und mit mindestens der in § 15 SGB XI festgelegten Schwere bestehen.“ (Quelle: BMG)




In Abhängigkeit von der Pflegebedürftigkeit wird ein Pflegegrad vergeben. Der niedrigste Pflegegrad ist Pflegegrad 1, der höchste Pflegegrad 5. Die Pflegegrade werden wie folgt beschrieben:


  • Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

  • Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

  • Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

  • Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

  • Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

(Quelle: Sozialgesetzbuch XI, § 15)


Je höher der Pflegegrad, desto mehr Leistungen und desto höhere Leistungen stehen dem Pflegebedürftigen zu. Für die Einstufung in einen Pflegegrad entsenden die gesetzlichen Pflegekassen einen Gutachter des Medizinischen Dienstes (MDK). Bei den privaten Pflegeversicherungen stellt ein sogenannter Medicproof das Gutachten aus. Auf Basis dieser Gutachten entscheiden die Krankenkassen(Pflegekassen) dann, welcher Pflegegrad gewährt wird. Selbstverständlich können Sie den Wechsel in einen höheren Pflegegrad beantragen, wenn sich der Zustand der pflegebedürftigen Person nach der Einstufung verschlechtert.



Wann sollte ich einen Pflegegrad beantragen?

Eine Pflegebedürftigkeit entwickelt sind in vielen Fällen schleichend. Deshalb sind Angehörige oftmals unsicher, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um einen Pflegegrad zu beantragen. Eine pauschale Antwort darauf gibt es natürlich nicht. Ein klares Anzeichen, dass Sie über die Beantragung eines Pflegegrades nachdenken sollten, ist zunehmender Unterstützungsbedarf im Alltag. Können Ihre Angehörigen aufgrund von körperlichen und geistigen Einschränkungen alltägliche Aufgaben nicht mehr selbstständig erledigen, so sollten Sie einen Pflegegrad beantragen.


Es empfiehlt sich, den Antrag so früh wie möglich zu stellen, da Sie keine negativen Konsequenzen erleben, wenn der Antrag abgelehnt wird. In den meisten Fällen ist es eher so, dass Angehörige zu lange zögern und so Geld verschenken. Zudem sollten Sie bedenken, dass der Leistungsbeginn erst mit der Antragstellung einsetzt, auch wenn die Pflegebedürftigkeit vielleicht schon länger vorliegt.


Scheuen Sie sich also nicht, den Antrag auf einen Pflegegrad zu stellen. Ein Pflegegrad sorgt für Entlastung in der häuslichen Pflege und trägt dazu bei, dass Ihre Angehörigen gut versorgt werden.


Voraussetzungen und Kriterien für einen Pflegegrad

Leistungen aus der Pflegekasse kann nur beziehen, wer in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung mindestens zwei Jahre in die gesetzliche Pflegeversicherung oder die private Pflichtversicherung eingezahlt hat. Im Fall von Kindern mit Pflegebedarf zählt die Einzahlung der Eltern.


Um den Pflegegrad festzulegen, betrachtet der Gutachter des Medizinischen Dienstes sechs Module. Diese werden unterschiedlich gewichtet und ergeben am Ende ein Bild darüber, wie selbstständig die begutachtete Person noch ist. Die Module sind:


  • Mobilität: Betrachtet wird dabei, wie selbstständig die Person sich noch in der eigenen Wohnung bewegen kann oder ob sogar ein Wenden im Bett erforderlich ist.

  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Hierbei wird getestet, ob die Person noch in der Lage ist, selbstständige Entscheidungen zu treffen, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und mit anderen Menschen zu interagieren.

  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Psychische Probleme wie Ängste oder Depressionen können ebenfalls eine Pflegebedürftigkeit begründen.

  • Selbstversorgung: Gemeint sind dabei alle Aufgaben des täglichen Lebens, vom selbstständigen Toilettengang über die Körperpflege bis zur Zubereitung von Essen.

  • Selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen: Liegen Erkrankungen vor, für die Arztbesuche, Therapien oder Medikamenteneinnahme erforderlich sind, sollten diese selbstständig bewältigt werden können.

  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Dieser Bereich soll abdecken, inwieweit die Person noch in der Lage ist, ihren Alltag selbstständig zu planen, sich zu beschäftigen und andere Menschen zu treffen.

(Quelle: Sozialgesetzbuch XI, § 15)


Wo kann ich einen Pflegegrad beantragen?

Die Beantragung des Pflegegrades erfolgt bei der Pflegekasse der betroffenen Person. Diese ist der Krankenkasse des Versicherten zugeordnet. Sie können den Antrag auf einen Pflegegrad also an die Krankenkasse senden, damit diese ihn an die Pflegekasse weiterleitet. Für Privatversicherte ist der Ansprechpartner die private Pflegeversicherung.


Die Antragstellung muss über die pflegebedürftige Person erfolgen. Als pflegende Angehörige können Sie dabei zwar unterstützen, selbst dürfen Sie den Antrag aber nur einreichen, wenn Sie Bevollmächtigter oder Betreuer sind. Dann kann der Antrag auch mit einer Kopie der Vollmacht oder des Betreuerausweises gestellt werden.


Den Pflegegrad zu beantragen, ist unkompliziert. Der Satz "Ich stelle einen Antrag auf Leistungen der Pflegekasse" reicht aus, um den Antrag schriftlich, per E-Mail oder per Telefon zu stellen. Es empfiehlt sich jedoch eine schriftliche Antragstellung, damit Sie nachweisen können, dass der Antrag tatsächlich gestellt wurde. Sie erhalten dann ein Formular der Pflegekasse, über das Sie Pflegeleistungen beantragen können.


Verschlechtert sich der Zustand der pflegebedürftigen Person, nachdem ein Pflegegrad festgelegt wurde, so können Sie einen Antrag auf einen höheren Pflegegrad stellen. Das Verfahren läuft genauso ab wie bei der erstmaligen Antragsstellung. Es findet also auch wieder eine Begutachtung statt.



Checkliste: Ablauf Beantragung des Pflegegrades

So läuft die Beantragung eines Pflegegrades für gewöhnlich ab:


  1. Ihnen fällt auf, dass Ihre Angehörigen den Alltag immer schlechter alleine bewältigen. Ermutigen Sie die Person, einen entsprechenden Antrag auf einen Pflegegrad zu stellen.

  2. Per Brief, E-Mail oder Telefon kann bei der zuständigen Krankenkasse(Pflegekasse) ein formloser Antrag auf Pflegeleistungen gestellt werden.

  3. Sie erhalten von der Pflegekasse ein Formular, das von der pflegebedürftigen Person ausgefüllt und unterschrieben werden muss. Alternativ kann das auch durch einen Bevollmächtigten oder Betreuer erfolgen. Das Formular übermitteln Sie per Post zurück an die Pflegekasse.

  4. Die Pflegeversicherung entsendet einen Gutachter des Medizinischen Dienstes (gesetzliche Pflegeversicherung) oder einen Medicproof (private Pflegeversicherung), der eine Begutachtung durchführt und der Pflegekasse ein Gutachten vorlegt. Es empfiehlt sich, für die Begutachtung bereits wichtige Dokumente und Informationen wie benötigte Medikamente, Medikationsplan und Hilfsmittel, Arzt- und Krankenhausberichte der letzten zwölf Monate und – falls vorhanden – die Pflegedokumentation vorzubereiten. Am besten begleiten Sie Ihre Angehörigen bei der Begutachtung, um Rückfragen des Gutachters zu beantworten, aber auch, um Sicherheit zu geben.

  5. Auf Basis des Gutachtens entscheidet die Pflegekasse, ob und welcher Pflegegrad vergeben wird und übersendet Ihnen einen entsprechenden Bescheid. Sollte der Antrag auf einen Pflegegrad abgelehnt werden, können Sie Widerspruch einlegen.

  6. Nachdem der Pflegegrad beschieden wurde, können Sie die Leistungen abrufen.


Leistungen Pflegegrad

Je nach Pflegegrad stehen Ihnen unterschiedliche Leistungen zu. Im Pflegegrad 1 haben Sie lediglich Anspruch auf Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Höhe von 125 Euro monatlich. Dazu kommen bis zu 40 Euro pro Monat für verbrauchbare Pflegehilfsmittel und 25,50 Euro pro Monat für den Hausnotruf.


Zusätzlich zu diesen Leistungen stehen Ihnen ab Pflegegrad 2 monatlich auch noch Pflegegeld sowie Budgets für Pflegesachleistungen, Tages- und Nachtpflege und vollstationäre Pflege zur Verfügung. Je höher der Pflegegrad, desto höher sind auch das Pflegegeld und die einzelnen Budgets. Jährlich können Sie zudem die Budgets für Kurzzeitpflege (1.774 Euro) und Verhinderungspflege (1.612 Euro) nutzen.


Unabhängig von der Höhe des Pflegegrades besteht zudem die Möglichkeit, bis zu 4.000 Euro für Wohnraumanpassungen und einen Zuschuss von 214 Euro monatlich für eine Wohngruppe zu erhalten.


(Quelle: Sozialgesetzbuch XI, Kapitel 4)