Care in Transition: Between High Workload and Digital Transformation
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Die Pflegebranche steht vor zwei gewaltigen Herausforderungen: Einerseits kämpfen Pflegekräfte mit steigender Arbeitsbelastung und unzureichenden Arbeitsbedingungen, andererseits bringt die Digitalisierung des Gesundheitswesens neue Möglichkeiten – aber auch strukturelle Hürden. Während das Pflegepersonal um bessere Löhne und Arbeitszeiten ringt, werden digitale Lösungen wie die elektronische Patientenakte (ePA) als Hoffnungsträger für eine effizientere Versorgung gehandelt. Doch kann die Digitalisierung tatsächlich zur Entlastung beitragen, oder verschärft sie bestehende Probleme?
Pflegekräfte am Limit: Ein Beruf unter Dauerbelastung
Die Lage in der Pflege spitzt sich weiter zu. Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig, und viele der vorhandenen Pflegekräfte arbeiten bereits am Rande der Belastbarkeit. Laut dem Deutschen Pflegerat (DPR) bleibt ein Großteil der pflegerischen Ressourcen ungenutzt, da Fachkräfte nicht eigenständig genug handeln können. Trotz hoher Qualifikation werden viele Pflegekräfte in einem System gefangen, das ihnen wenig Entscheidungsspielraum lässt. Ein weiteres Problem ist die Arbeitszeit. Schichtdienst, Überstunden und Personalmangel führen dazu, dass viele Pflegekräfte dauerhaft unter hoher psychischer und körperlicher Belastung stehen. Die Vergütung bleibt dabei oft hinter den Erwartungen zurück. Auch wenn in den letzten Jahren einige Verbesserungen in der Bezahlung erreicht wurden, reicht dies vielen nicht aus, um die Strapazen des Berufsalltags auszugleichen.
Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und einer effizienteren Nutzung vorhandener Pflegekompetenzen werden zunehmend lauter. Der DPR und weitere Pflegeverbände drängen darauf, dass Pflegekräfte mehr Autonomie erhalten und dass bürokratische Hürden reduziert werden, um den Arbeitsalltag zu erleichtern.
Die angespannte Situation in der Pflegebranche zeigt sich besonders deutlich in drei zentralen Problembereichen. Viele Pflegekräfte berichten von einer dauerhaft hohen Arbeitsbelastung, die nicht nur körperliche, sondern auch psychische Folgen hat. Gleichzeitig sorgt die Unzufriedenheit mit der Vergütung für Frustration, da das Gehalt in vielen Fällen nicht der Verantwortung und den Arbeitsbedingungen entspricht.

Ein weiteres Hindernis ist die übermäßige Bürokratie, die den Pflegekräften wertvolle Zeit raubt und den Fokus von
der eigentlichen Pflegearbeit ablenkt. Die folgende Grafik veranschaulicht diese drei Kernprobleme anhand aktueller
Zahlen:
(Quellenangaben: BMG, 2023, WSI, 2023, Asklepios, 2022)
Digitalisierung als Rettungsanker? Chancen und Herausforderungen der elektronischen Patientenakte
Parallel zur Diskussion über Arbeitsbedingungen gewinnt die Digitalisierung im Pflegebereich an Bedeutung. Seit dem
15. Januar 2025 ist die elektronische Patientenakte (ePA) für alle gesetzlich Versicherten eingeführt. Die ePA ist
eine digitale Akte, in der alle relevanten Gesundheitsinformationen eines Patienten zentral gespeichert werden. Dazu
gehören unter anderem Arztbefunde, Medikationspläne oder Impfungen. Theoretisch soll sie für eine bessere Vernetzung
zwischen verschiedenen Sektoren des Gesundheitswesens sorgen. Pflegekräfte sollen dadurch schneller auf relevante
Patientendaten zugreifen und eigene pflegerische Dokumentationen einfacher hinterlegen können.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die digitale Transformation nicht reibungslos verläuft. Viele
Pflegeeinrichtungen sind nicht ausreichend an die Telematikinfrastruktur angebunden, das sichere digitale Netz des
deutschen Gesundheitswesens, das den Austausch von medizinischen Daten zwischen Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken
und Pflegeeinrichtungen ermöglicht. Dadurch sind Pflegekräfte weiterhin auf ineffiziente Dokumentationswege
angewiesen. Zudem fehlt es an Schulungen, die es den Pflegekräften ermöglichen, die neuen digitalen Tools effektiv
zu nutzen..
Ein weiteres Problem ist die Frage der Datensicherheit. Zwar sieht die Gesetzgebung klare Regelungen vor, doch
besteht weiterhin Skepsis, ob die sensiblen Gesundheitsdaten ausreichend geschützt sind. Gleichzeitig stellt sich
die Frage, ob die ePA tatsächlich zu einer Zeitersparnis führt oder ob sie neue bürokratische Hürden mit sich
bringt.

Fazit: Digitalisierung ja, aber nicht ohne Strukturreformen
Die Pflege steht an einem Wendepunkt. Während digitale Lösungen das Potenzial haben, den Arbeitsalltag zu
erleichtern und die Patientenversorgung zu verbessern, bleibt die Realität oft hinter den Erwartungen zurück. Ohne
eine klare Strategie zur Umsetzung, eine verbesserte technische Infrastruktur und vor allem bessere
Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte könnte die Digitalisierung eher zur Belastung als zur Entlastung werden.
Die Politik ist gefordert, Pflegekräfte nicht nur als passive Anwender, sondern als gleichberechtigte Akteure im
digitalen Wandel zu betrachten. Gleichzeitig müssen Arbeitsbedingungen verbessert und bestehende Kompetenzen der
Pflegekräfte stärker genutzt werden. Denn ohne eine gesunde und leistungsfähige Pflegebranche wird auch die beste
Technologie keine nachhaltige Verbesserung bringen.
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